
Nach unserem matschigen Abenteuer bei Imlili und der erfolglosen Pistensuche in Richtung Osten haben wir diese erst einmal zurückgestellt und versuchen unser Glück etwa 50 Kilometer weiter nördlich.

Hier verläuft die N3 in Richtung Osten – mehr als 200 Kilometer tief in das Gebiet der Westsahara hinein. Von dieser Straße aus wollen wir nach einer Piste suchen, die uns im Osten der Westsahara wieder nach Norden führt. Wir wissen zwar, dass es durch den Westsahara-Konflikt und den dadurch immer noch vorhandenen Minen schwierig werden würde, hier eine einigermaßen sichere Route zu finden aber auf unseren diversen Karten sind verschiedene Pisten und sogar eine “Hauptpiste” verzeichnet. Also schauen wir uns das einmal an.
Die N3 führt anfangs an einem Höhenzug mit teils bizarren Felsformationen vorbei
Östlich davon wird die Landschaft zur flachen Geröllwüste- mit ein paar dornigen Sträuchern und wenigen Bäumen durchsetzt.. Bis Assouerd – dem östlichsten Ort an der N3 – sind es von hier noch mehr als 150 Kilometer.
Die Landschaft verändert sich ab hier erst mal nicht mehr: es bleibt topfeben und der Bewuchs nimmt noch mehr ab. Die ohnehin spärliche Beschilderung sinkt auf nahzu null und wenn, dann nur in arabischer oder verrotteter Version. Kein Zweifel: hier will man keine neugierigen Touristen, die sich auf eigene Faust Pisten suchen. Das einzige, was hier reichlich vorhanden ist, ist der Sand und der stürmische Wind, der diesen in Fahnen über die Straße treibt.
Nach gut 120 Kilometern müssen wir erkennen, dass von all den Pisten oder Wegen, die auf unseren verschiedenen Karten inklusive der aktuellsten Garmin-Navigation verzeichnet sind, in der Realität keine einzige wirklich vorhanden ist: Auf der bisher gefahrenen Strecke waren die Pisten entweder gar nicht erkennbar (keine Markierung oder auch nur die leiseste Reifenspur) oder sie waren erkennbar zugeschoben und gesperrt. Also: bisher keine Möglichkeit, von hier aus nach Norden zu kommen.
Kurz vor Einbruch der Dunkelheit tut sich links der Straße der einzige Gebäudekomplex auf, an dem wir bisher (auf immerhin gut 120 Kilometern) vorbeigekommen sind. Die Lehmbauten entpuppen sich als Militärstützpunkt. Nach mehreren Anläufen der Kontaktaufnahme kommt ein leidlich französisch sprechender Soldat zum Eingangstor und wir fragen ihn, ob es von hier oder Assouerd aus eine Piste nach Norden gibt. Er verneint und wir zeigen ihm unsere Karten mit der dort verzeichneten Piste nach Es Samara. Er erklärt, das es sich um Mitlitärpisten handelt und man von hier nur in Richtung Süden weiterkäme. Super. Da wollen wir nur nicht hin.
Ich weiß: das Fotografieren von militärischen Anlagen ist verboten aber diese Kaserne hatte was Morbides. Und sowas find ich halt spannend….
Sieht aus, als würde dieses Tor seit Jahrzehnten nicht mehr genutzt aber der Eindruck täuscht
Wir geben´s ja zu: wenn man sich die aktuellen Minenkarten für die Westsahara so ansieht, ist irgendwie klar, dass es schwer sein würde, eine vernünftige Nord-Süd-Piste zu finden. Aber die Karten und Navis tun halt so, als wäre das hier ein völlig normales Staatsgebiet, in dem es (fast) beliebig viele Routen in alle Himmelsrichtungen gibt. Aber dem ist einfach nicht so. Hier ist es eben nicht so normal und geregelt, wie der Marokkanische Staat es gern hätte und es vor allem nach außen gern glauben macht. Und eine echte politische Lösung der Streitereien um dieses Gebiet scheint ja wohl nicht in Sicht….
Na gut: wir sind soeben also von der Kartenmaterial-Wunschvorstellung auf den militärischen Boden der Realität zurückgeholt worden und werden dann wohl morgen umkehren. Vorher suchen uns wir uns aber erst einmal ein paar Kilometer von dem Militärstützpunkt entfernt einen Schlafplatz. Deckung vor dem stürmischen Wind suchen zu wollen ist sinnlos, weil nirgends auch nur ein schützendes Hügelchen zu sehen ist. Also stellen wir uns nur wenig entfernt von der sowieso nicht befahrenen N3 irgendwo in Ebene. Ein wenig enttäuscht sind wir trotzdem aber es hilft nichts:
Schlafplatz unter weitem, klaren Wüstenhimmel
Unser Schlafplatz bei Tageslicht – flacher geht´s kaum
Morgen heißt es also: die gut 120 Kilometer zurück nach Westen zur Küste und damit zur einigermaßen langweiligen N1. Von dort sind es dann noch 800 Kilometer bis Tan-Tan, dem letzten Posten vor der Westsahara.
Also den gleichen Weg wieder zurück , vorbei an der leeren, weiten Landschaft und den seltsamen Felsen
Da ist sie wieder, die N1
591 Kilometer bis Laayoune – gäähn. Bis dahin liegt nur ein einziger anderer Ort an der Strecke (von ein paar Fischerhütten-Ansammlungen mal abgesehen). Lebensmittel und Wasser sollten hier also immer ausreichend an Bord sein
Wenigstens gibt es hier am Straßenrand mal wieder ein paar blühende Blumen
Wir bringen die vielen Kilometer einigermaßen zügig hinter uns. Dieses Mal finden wir ca. 30 Kilometer vor Boujdour einen ganz netten Stellplatz am Strand tief unter der Steilküste. Erstaunlicherweise ist hier – nach der üblichen Pass-/Fiche-Kontrolle durch das Militär – das Übernachten direkt an der Küste gestattet. Hier erwartet man wohl keine Schmuggler oder sonstigen finsteren Gesellen.
Steile Abfahrt zum Strand, der irgendwo im Dunst verschwindet
Zwei Schiffswracks zieren den kilometerlangen und sehr breiten Strand – sonst gibt es hier noch ein paar Fischerhütten. Das war´s dann aber auch schon.

Morgens bei schönem Wetter sieht das Ganze doch schon gleich viel besser aus!
Was für ein Strand! Bei uns würden sich sicher die Menschenmassen drängeln
Weiter nach Norden: also wieder die recht steile Straße hinauf zur N1 und weiter über Boujdour (kurz Gemüse, Brot und Fleisch
kaufen) an Kamelen und viel fliegendem Sand vorbei
Bei DEM Sandstrahl, den man hier ins Gesicht bekommt, ist das Mopedfahren sicher wahnsinnig lustig…
bis Laayoune, wo wir kurz vor Foum el Oued (von uns “Laayoune-Plage” genannt) das längste Förderband der Welt passieren. Im letzten Jahr haben wir es schon einmal auf dem Weg von Laayoune nach Es Samara bewundert. Hier endet es nun nach seinem langen Weg vom Phosphatabbau in der Wüste am Hafen von Laayoune.
Wir durchqueren den kleinen, sichtbar auf dem Reissbrett entstandenen Ort, um an dessen Ende zu einem kleinen Stellplatz am Strand von Foum el Oued zu gelangen. Ein “hoher Beamter” aus Laayoune residiert hier in absoluter Alleinlage mit Meerblick . Dementsprechend sauber und aufgeräumt ist hier dieser ganze Strandabschnitt und die gut ein Kilometer lange Zufahrtstraße ist sehr ordentlich geteert und mit neuen Straßenlaternen versehen. Jedenfalls war das alles im letzten Jahr so.
Lag dieses Wrack hier eigentlich im letzten Jahr auch schon?
In diesem Jahr erwartet uns am Beginn der schicken Zufahrtsstraße ein Überraschung: es gibt sie nicht mehr!! Statt dessen räumen hier Baufahrzeuge Schutt weg. Von einer Straße ist hier nichts mehr zu sehen. Statt dessen breitet sich ein neues Flußdelta auf gut 900 Metern Länge aus. Was ist passiert?
Wir wussten zwar, dass es in diesem Winter hier sehr heftig geregnet haben muss aber das der Fluss, der sonst oft noch nicht einmal das Meer erreicht, sich hier so ausgebreitet haben und alles mit sich gerissen haben soll ist wirklich nicht zu fassen! Aber entlang des provisorischen Zufahrtsweges, den wir nach einigem Suchen finden, sieht man einiges von der Zerstörung: von der Vegetation ist nichts geblieben, Wege und Straßen wie auch einige Häuser sind weggerissen. Überall liegen Bäume, Strommasten, Mauern, Zäune… Und das Wasser ist auch immer noch da wo sich sonst der Sand ausbreitet. Es ist unglaublich. Bei den Überschwemmungen hier sollen auch 6 Menschen gestorben sein und angesichts der Bilder, die sich uns bieten, ist das nicht schwer zu glauben.


Entsprechend wenig ist auf dem Stellplatz los. Außer uns haben nur noch zwei Franzosen den Weg hierhin gefunden und der “hohe Beamte” wohnt jetzt nicht nur direkt am Strand, sondern neuerdings auf einer Insel. Natur in ungebändigter Gewalt!
Trotzdem ist es immer noch schön (und seeehr windig) hier und der Sonnenuntergang ist traumhaft.
Lotta hat bei dem Sturm auch keine Lust mehr ´rauszugehen und spielt lieber Verstecken.
Am nächsten Morgen schauen wir uns noch einmal das Ausmaß der Schäden an: umgedrückte Mauern, mit Schlamm überschwemmte Häuser, Wege und Plätze und auch völlig zerstörte Gebäude. Hier gab es ein paar neue Apartmenthäuser und ein ziemliich schickes Hotel. Jetzt ist alles einsturzgefährdet. Und daneben ein 900 Meter langer, neuer “Strand”, den so keiner geplant hat. Es wird wohl ziemlich lange dauern, das wieder aufzubauen.

Neuer “Strand” bis fast zum Horizont. – war halt nur nicht so gedacht
Auch der Stellplatz in Sichtweite des “Minister-Luxushauses” muss unter Wasser gestanden haben – der Herr Minister wird sich wohl nicht gefreut haben über den Matsch in seinem Vorgarten und die bedrohlich steigenden Fluten
Die im letzten Jahr noch schicke Lobby des Hotels und die völlig zerstörte Rückseite des Gebäudes
Wir verlassen die etwas gespenstisch anmutende Szenerie und fahren dabei zwangsläufig noch einmal an dem Luxushaus bzw. dessen Garten vorbei. Heute stehen hier friedlich ein halbes Dutzend Kamele und knabbern ein paar Gräser. Stellt sich die Frage: haben die während der Überschwemmungen auch hier gestanden und wenn ja: können Kamele eigentlich schwimmen? Sie haben uns keine Antwort gegeben, obwohl sie uns doch soo nett angeschaut haben…
* * *
FORTSETZUNG FOLGT
Huhu ihr Lieben!
schöne Grüße aus dem Westerwald. Viel Spass weiter auf Eurer Reise. *wink*
Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag, liebe Iris!! (Mit 1 Tag Verspätung….) Ich hoffe, es geht Euch gut!?! Lasst mal wieder von Euch hören.
Euch mal ganz viele Grüße hier lassen ist ja nicht mehr lange dann sehen wir uns
freu freu
und am Unterboden brauch ich an ihm auch nicht arbeiten
schmuddel
Hallo Maik
Wo seid Ihr denn gerade ???
Habe Eure Beiträge überwiegend gelesen.
Schreibt ihr noch Beiträge??
Und wenn ja wo kann ich diese lesen??
Ich wünsche Euch weiterhin eine tolle Reise!!!
Liebe Grüße und weiterhin viel Spaß bei Eurem Abenteuer
Thies Looft
Hallo Thies,
Wir hatten ein paar Schwierigkeiten mit unserer Seite, Iris hat noch einige Beiträge vorbereitet die demnächst kommen werden. Zurzeitsind wir wieder beim Vorbereiten unserer Überwintertour. Wir werden wohl zwischen Spanien und Portugal pendeln, ggf. bei schlechtem Wetter ist die Sahara ja nicht weit
Viele Grüße,
Maik
Hallo maik
Eure Seiten sind klasse, ich hoffe es geht euch gut
Liebe Grüße und weiterhin eine tolle Reise
Thies looft
Moin Thies,
schön von Dir zu hören! Die Fotos und die Beiträge kommen fast ausschließlich von Iris, ich fahre da immer nur hin 😉
Liebe Grüße, Maik und die Sternwanderer