Marokko 2016

13.2.-16.2-2016 – Auf dem Weg in die West-Sahara

Nachdem wir in den letzten Tagen doch recht einsame Pisten gefahren sind, kommen wir zur Abwechslung mal wieder in eine Stadt: Tan-Tan erwartet uns.
Die Wüstenstadt ist – zu der Zeit als auch Spanien in Marokko Kolonialmacht war – von den Spaniern als Militärstützpunkt gegründet worden. Sie liegt am Nordrand des West-Sahara-Gebietes und ist daher bis heute Militärstützpunkt geblieben – wenn auch jetzt unter Marokkanischer Flagge. Ansonsten besteht Tan-Tan vornehmlich aus der  Fernverbindungsstraße N1, die die eigentliche Hauptstraße bildet und an der alle wichtigen Gebäude zu finden sind. Der Rest des Ortes gruppiert sich irgendwie drumherum.

Das Stadttor von Tan-Tan

 

Die Hauptstraße (gleichzeitig die N1)

 

 

Offizielle Gebäude und auch Militär bekommen schon mal schicke Gebäude oder Portale spendiert

 

Tan-Tan ist nach ca. 2 km schon wieder zu Ende und wir entscheiden uns, nur dem wichtigsten Teil – und das ist für uns der Teil mit den Obst- und Gemüsehändlern – einen Besuch abzustatten. Wir machen uns also zu Fuß auf den Weg und finden unterwegs einige interessante Ansichten:

Backöfen marokkanische Art: werden mit Holzkohle erhitzt

Eine schöne alte Ente – fast wie neu

Beschilderung an  einem öffentlichen Gebäude:
2 Arten von Arabisch
1 x französich als Amtssprache
und die besondere geometrische Schrift Tifinagh, die seit einigen Jahren immer öfter im marrokanischen Straßenbild zu finden ist

1 PS

 

? PS

 

Seitenstraße mit viel Grün – gibt´s in der Wüste nicht so oft

 

Hübsche Eingangstüren gibt es dafür immer mal wieder

Allerdings sind wir wohl zu einer ungünstigen Zeit hier. Die Händler sind jedenfalls nicht aufzufinden. Ganz so wichtig ist es dann für uns dann doch nicht und wir möchten heute noch nach Tan-Tan Plage (Arabischer Name El Ouatia), um dort nach einem Übernachtungsplatz zu suchen. Also verlassen wir die Stadt Richtung Westen und damit Richtung Atlantik.

 

Windig ist´s es übrigens immer noch. Wie schon in den letzten 4 Tagen.. Nach knapp 30 Kilometern erreichen wir El Ouatia – hier ist es stürmisch und ungemütlich. Vom Atlantik kommen ab und zu Schwaden mit Nieselregen (!!) (ich dachte, den hätte der Norden für sich gepachtet) an Land und hüllen die Gegend ein. Dann ist wieder Pause für den Regen aber natürlich nicht für den Wind. Wir parken auf einem Parkplatz direkt am Strand und schauen uns trotz des fiesen Wetters im Ort um.

 

Anfahrt auf Tan-Tan Plage

Auch hier nur eine Hauptstraße – nur NOCH kürzer als in Tan-Tan – und diverse Seitenstraßen drumherum, von denen viele mit einer dicken Sandschicht bedeckt sind – soweit sie denn asphaltiert sind. Vielleicht aufgrund des trüben Wetters wirkt das Ganze reichlich verschlafen und an einigen Stellen auch ein bisschen trostlos – obwohl es bei der Lage an den tollen Stränden hier ja eigentlich ein schöner Urlaubsort sein könnte. Es scheinen sich aber hierher nur wenige Touristen zu verirren, was vielleicht auch mit der Nähe zum umstrittenen Gebiet der West-Sahara zu erklären ist. Selbst die sonst überall gegenwärtigen Franzosen-Wohnmobile sind kaum zu sehen.

Sandige Pisten auch in der Stadt?!

Der hübsche Strandpavillion ist irgendwann wohl mal vergessen worden

 

 

Sandige Straßen findet man in El Outaia häufiger

 

Hübsche Häuser leider nur selten

 

Schönheit im Verborgenen

 

Bisschen trostlos, oder?

So laufen wir ein wenig von hier nach da und das einzig wirklich Spannende an Tan-Tan Plage haben dann unsere Nasen gefunden: fast am Ende der Hauptstraße angekommen, wollten wir eigentlich schon wieder umdrehen, als wir von einem leckeren Duft nach Backwaren regelrecht weiter gezogen werden. Wir folgen der Duftspur und landen vor dem Straßenverkaufstresen eines Konditors – und was für einem! Alle Waren kommen gerade frisch aus der Backstube und der Sohn des Konditors amüsiert sich über uns, weil wir nun vor ihm stehen und auf dieses und jenes zeigen und alles gleich an Ort und Stelle im Stehen verputzen. Ein Kuchenstückchen besser als das andere! Erst nach 16 (!) Stückchen haben wir aufgegeben. Wer also nach Tan-Tan Plage kommt, sollte den Kuchen dort versuchen! (Wenn es bei ihm jetzt noch einen Kaffee gäbe, wäre es wirklich perfekt…) Von unserer Kuchenorgie mehr als gesättigt suchen wir uns gemeinsam mit Birgit ein Cafe an der Hauptstraße auf, um den von uns vermissten Kaffee „nachzutrinken“

 

 

Wenigstens die Post ist schick

 

 

…und natürlich die Moschee

Ralph geht derweil für 30 Dirham (ca. 3 €) zum Friseur und wir schauen, was so auf der Straße los ist. Nicht viel Besonderes. Nur der Gasflaschenlieferant fällt uns auf. Die Art des Transportes und die „Sicherung“ der Anschlüsse per Kunststoffschrumpfolie ist schon bemerkenswert, wann man bedenkt, welch ein Bohei bei uns darum gemacht.wird. Geht offensichtlich auch so…

Auf der Suche nach einem Café

Alles Schnickschnack mit dem übertriebenen Sicherheitsempfinden mancher Europäer

 

In der Nähe des Strandes gibt es ein kleines Hotel mit einem sehr schönen Eingangsbereich. Ob der Rest auch so nett ist, wissen wir nicht

Langsam brauchen wir einen Schlafplatz und wir laufen zu unseren Fahrzeugen zurück. Leider steht an dem Parkplatz direkt dran, dass man hier nicht über Nacht stehen darf und da wir keine Lust haben, noch spätabends von der Polizei zum Umzug aufgefordert zu werden, suchen wir uns gleich einen Platz auf dem Campingplatz nebenan. Auf dem ist wenig los und er hat eine relativ hohe Mauer, hinter wir uns wenigstens ein bisschen vor dem Wind verstecken können. Hier bleiben wir 2 Nächte und entspannen bei Strandspaziergängen und einem weiteren Besuch beim Konditor 🙂

 

 

Die rückwärtige Mauer des Campingplatzes

 

Was is’n dahinter?

 

Ach, noch ’nen Tor!

Am übernächsten Morgen ist (wie auch schon am Tag zuvor) wieder strahlend blauer Himmel – nur der Wind ist immer noch da. Langsam wird er lästig… Wir wollen nun noch weiter in den Süden: über Tarfaya  bis Laayoune – also noch rund 300km weiter, um in Laayoune die Aufenthaltsgenehmigung für unsere Fahrzeuge zu verlängern (davon später mehr). Außerdem wollen wir  im West-Sahara-Gebiet tanken. Dort ist  Diesel nur ungefähr halb so teuer, wie im restlichen Marokko. Und bei unseren 1100 Litern Tankvolumen lohnt sich das wirklich – also machen wir uns auf den Weg. Ab hier gibt es als Hauptverbindung nur noch die N1, die bis zur 1300 km entfernten Landesgrenze Richtung Mauretanien führt. Aber so weit fahren wir dieses Mal nicht.

Strandblick über die schützende Campingplatzmauer hinweg

Auf der N1 nach Süden

Ralph und Birgit haben sich kurzfristig entschlossen, mit uns mitzufahren – eigentlich wollten sie nicht so weit nach Süden, aber auch für sie ist der Dieselpreis natürlich verlockend. So fahren wir an der Küste entlang – die einzige Verbindung nach Süden, die N1, ist meist schnurgerade und wird in unregelmäßigen Abständen von  Ouedduchquerungen unterbrochen. Die Straße führt dann regelmäßig in die Flusstäler hinunter und auf der anderen Seite wieder hinauf. So durchfährt man die Täler in ihrer gesamten Breite und hat von dort immer wieder einen schönen Blick auf die Flussmündungen und den Atlantik.

 

 

 

 

 

Auf der schnurgeraden Strecke kommen uns kaum noch Privatwagen entgegen. Wenn überhaup, fahren hier die großen LKW, die den Süden versorgen, Links neben uns erstreckt sich die Wüste während rechts von und der starke Wind immer noch das Meer aufwühlt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Die Sanddünen am Meer werden höher und der Wind fegt den Sand über die Straße. Viel ist hier nicht mehr los.

 

Sandzungen – falls es diesen Ausdruck gibt

 

Bildunterschrift hinzufügen

 

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Einspurige Straßenführung

 

Dann taucht vor uns der erste Polizeiposten nach Tan-Tan auf. Hier müssen wir nun doch halten. Im restlichen Land wurden Touristen nur durchgewunken. Aber ab hier will man aus Sicherheitsgründen wissen, wo die wenigen Touris wie wir sich gerade befinden und die Daten werden akribisch aufgenommen. Uns soll´s recht sein…Der Posten verabschiedet uns nach erfolgter Kontrolle und nach wenigen hundert Metern taucht die erste Tankstelle mit „Saharasprit“ auf – genaugenommen sind es drei Tankstellen und sie wirken wie aus einem Weltuntergangsfilm Film gefallen: Das leicht diffuse Licht auf der Wüste hinter den schäbigen Gebäuden und der Sand, der vom stürmischen Wind über die Straße und durch die Luft gepeitscht wird, verstärken den Eindruck noch.

Harte Zeiten für die Marokkanische Flagge

 

So.Formalitäten erledigt – und tschüß!

 

 

Erinnert uns ein bißchen an die Tankstelle in der mexikanischen Wüste aus „Terminator“

 

Endlich ein Mülleimer der nach Müll aussieht.

Trotz der etwas apokalyptischen Szenerie tanken wir natürlich mit Freude den günstigen Sprit: Rund 40 €-Cent bezahlen wir. SO lassen sich auch große Strecken ohne Loch in der Kasse überstehen.
Von unseren Fahrzeugen an der Zapfsäule gibt es kein Foto – der Sturm hatte wohl was dagegen und ließ den Fotografen einfach nicht aus dem Auto…

….und 10 DH sind nicht ganz 1,-€ 😊

So, nun sind wir endgültig in der West-Sahara angekommen, dem Gebiet, von dem das Auswärtige Amt sagt, dass es vom Durchfahren der Gegend abrät. Da aber jährlich schon allein Hunderte von Touristen sich nach Dakhla aufmachen, dem Surfspot weit im Süden des Gebietes kurz von der Mauretanischen Grenze, scheint es wohl nicht ganz so schlimm sein zu können. Jedenfalls gibt es keine Meldungen über Gefahren für Touristen in dem Gebiet.

 

Also fahren wir mit zur Hälfte gefüllten Tanks (ein wenig wollen wir in der Wüste auch auf das Gewicht achten) weiter die Küste entlang und der Wind wird immer heftiger. Mittlerweile schafft er es sogar, die Schaumkronen von den Wellen zu reißen und die Flocken bis auf unsere Windschutzscheibe zu treiben, obwohl wir noch mindestens 150 Meter von der Küstenlinie entfernt sind.

Doch doch, von Aussen! Ist nicht Lottas Werk.

 

Keine Sorge – ist nur Wasser

An unserem stürmischen Wegesrand sehen wir plötzlich zwischen der Straße und der Steilküste ein riesiges Loch im Boden – das müssen wir uns näher ansehen und halten an.

Auf Arabisch ist auf einer Tafel etwas zu dem Naturphänomen erklärt, was wir natürlich nicht lesen können aber wir sehen ja auch so, worum es sich handelt: das Meer hat hier eine ziemlich große Höhle ins Gestein gegraben und da das Gestein hier nicht besonders stabil ist, hat irgendwann die Höhlendecke nicht mehr gehalten und ist eingestürzt. Ergebnis: ein Loch von sicher 50 Metern Durchmesser durch das man die unten liegende Wasseroberfläche sehen kann. Ein faszinierender Ort. Allerdings auch ziemlich stürmisch. Wir umrunden trotzdem das riesige Nichts und bestaunen es gebührend von allen Seiten.

Leider vom Sand unleserlich gemacht, sonst hätten wir übersetzt! – Ehrlich!

 

 

 

Der Sternwanderer als Größenmassstab

 

Alles in Ordnung, Admiral?

Da werden doch Erinnerungen wach: Raumschiff Enterprise – “ Zurück in die Gegenwart“:
Scotty beim Verladen der „Transparenten Aluminiumwände“

Wir haben erst mal wieder genug vom Wind und dem Sand in den Augen – was besonders für die Hunde gilt – und machen uns wieder auf den Weg.

 

* * *

WEITER GEHT ES MIT DER 2.HÄLFTE DER FAHRT NACH TARFAYA

0 Comments

  1. Hallo Ihr Drei, ja kaum schaut man mal ein paar Tage nicht ob es einen neuen Bericht gibt, kommt man aus dem lesen und staunen nicht mehr raus. Der Wind wäre jetzt dann auch nicht mein größter Freund, ich kann gut verstehen, dass der irgendwann nervt.
    Die Frisör Preise …. unglaublich. So so der Kuchen hat es Euch dann also angetan, ist der nicht unsagbar süß? Schön dass es euch gut geht,die Bilder von der Steilküste erinnern mich stark an Portugal, na vielleicht gibt es ja erneut solche Bilder auf Eurem Rückweg. Alles liebe und viele Grüße aus Waldshut. Birgit

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