Marokko 2016

13.2.-16.2.2016 – Sandiger Weg nach Tarfaya

Nachdem wir uns an dem riesigen Erdfall vom Wind haben durchpusten lassen, fahren wir die N1 noch ein Stück und erreichen nach kurzer Zeit den Ort Akhfenir.
Der Ort liegt zwar direkt an der Küste und hat damit wohl auch ganz schöne Strände, aber er ist leider so trostlos, dass  sich hierher wahrscheinlich nie jemand verirrt, um sich das Ganze einmal näher anzusehen. Wir auch nicht. Statt dessen fahren wir bis zu Mitte der Ansiedlung und nehmen dort die Straße, die ins Landesinnere führt – übrigens der erste Abzweig seit Tan-Tan Plage und für laaange Zeit der letzte. Die Straße führt in ein Naturschutzgebiet, das auf Ralphs Karte verzeichnet ist. Wir hoffen, einen schönen Stellplatz für die Nacht zu finden und vor allem auf ein bisschen weniger Wind.

Der sandige Weg nach Süden

Akhfenir

 

Die Strände sind sicher ganz schön…

…der Ort allerdings nicht

So folgen wir der namenlosen Straße rund 30 Kilometer nach Westen. Wir überqueren einen Höhenzug und das Naturschutzgebiet ist tatsächlich ausgewiesen. Erst einmal können wir an der Landschaft allerdings keine Besonderheit feststellen, die dieses rechtfertigen würde. Der Windpark, der gerade rechts der Straße gebaut wird, kann wohl kaum der Grund für ein Naturschutzgebiet sein.

Naturschtzgebiet Khenfiss – übrigens das erste Naturschutzgebiet, das wir in Marokko bisher gesehen haben. Aber vielleicht sind uns die anderen auch nur nicht aufgefallen.

 

Auf geradem Weg in die Wüste

 

So suchen wir mit den Augen die Landschaft ab.
Aber auch hier beweist sich einmal wieder: auch ganze Täler sind in der oft mit dem Lineal gezogenen Ebene so versteckt, dass man sie erst entdeckt, wenn man fast schon hineinfällt. Auf der linken Seite der Straße entdecken wir dann plötzlich den Grund für den besonderen Schutz der Gegend: ein Fluss hat sich ein tiefes Bett gegraben und liegt nun am Grunde eines schönen Tales versteckt in einem grünen Band.

 

 

 

 

Wir haben eine tolle Aussicht von hier oben und suchen mit den Augen nach einer Möglichkeit, in das Tal hinein zu kommen und damit dem Wind etwas zu entfliehen. Aber auch nach längerer Suche können wir nichts entdecken, was halbwegs befahrbar aussieht. Schade. Aber der Ausblick hat sich in jedem Fall gelohnt!
Da wir hier oben am Talrand aber keinen Schutz vor dem Wind finden werden, entschließen wir uns, die restliche Strecke bis Tarfaya durchzufahren und dort nach einem Stellplatz zu suchen. Dort soll es an der N1 kurz vor Tarfaya einen Campingplatz geben. Vielleicht ist der was. Also wieder zurück nach Akhfenir.

 

 

Wir können uns nicht helfen: sieht halt aus, wie eine Kulisse aus irgendeinem Endzeit-Film

Im Ort frischen wir noch bei dem einzig sichtbaren Gemüsehändler unsere Vitaminvorräte wieder auf und folgen der N1 dann weiter nach Süden.

Der Gemüsehändler passt sich dem Gesamteindruck an

Die Wüste ändert sich langsam: von der bisher vorherrschenden Geröllwüste ist jetzt immer weniger zu sehen. Dafür wird der Sand und die Dünen neben – und auf! – der Straße immer mehr.

 

 

 

Sandfahnen wehen über die Straße

 

 

Langsam sieht es schon ziemlich nach der Sahara aus die man sich halt immer so vorstellt

Wir starten noch einen weiteren Versuch, an einer Lagune einen brauchbaren Stellplatz zu finden aber die paar möglichen Plätze, die sich im Windschatten eines Gebäudes befinden, sind schon von vier dicht  zusammengedrängten französischen Wohnmobilien besetzt.– Also doch Tarfaya.

Das hier links war wohl mal irgendwann ein Campingplatz. Ist aber scheinbar schon ein Weilchen her…Wahrscheinllich zu windig in der Gegend hier.

Blick auf die Lagune

 

Die Sandfahnen hinter den Büschen sind hier schon mehrere Meter lang. Es pfeift gehörig.
Der Sand treibt in Fahnen über die Straße, wie bei uns der Neuschnee im Wintersturm. Aus dem seltsam diffusen Licht tauchen ab und zu große LKW auf und ziehen Sandschleier hinter sich her. Eine merkwürdige Stimmung liegt über der Landschaft. Aber uns gefällt es.

LKW im Anmarsch!

 

Je weiter wir nach Süden kommen, umso mehr Sand sammelt sich mittlerweile auch auf der Straße. Nicht ganz ungefährlich, wie auch die Warnschilder immer wieder betonen; Die Sandhügel sind oft so hoch, das man tunlichst nicht in voller Fahrt hineinfahren sollte.

Schneeverwehungen in Norddeutschland sehen ziemlich ähnlich aus und der Monat kommt auch hin…

 

Ein Schaufelbagger der eingesetzt wird, um den sich ansammelnden Sand in Windrichtung schneller über die Straße zu bringen. Eine Sisyphos-Aufgabe, denn der Wind dreht regelmäßig zwischen Morgens und Abends um ca.180°. Aber die Straßen müssen halt freigehalten werden.

 

 

Den Kamelen am Wegesrand macht das Ganze offensichtlich wenig aus. Kunststück, dafür sind sie schließlich „gebaut“

 

Diese hier können sogar Schilder lesen: sie stehen kurz hinter dem Warnschild „Achtung – Kamele“.   Stimmt.

Vom Steppenwolf aus durch die Salzschlieren gesehen

 

Nix wie weg!

Wolkenbilder – alle paar Minuten neue!

 

Wenn man nach rechts zum Meer schaut, wirkt es ganz harmlos – wie der schönste Sommertag.

Wenn man den „Sandwind“ weglässt, sieht der Strand echt nett aus

 

Hier hat es schon ein bisschen Nordsee-Athmosphäre

Nach längerer, windiger Fahrt erreichen wir das Camp und stellen fest, das die umgebenden Mauern im Moment ein bisschen zu niedrig sind: ein Blick ins Innere des Platzes lässt uns staunen, wie hoch sich der Sand hinter den Mauern sammeln kann. Hier ist jedefalls kein Schutz vor dem Wind oder gar dem Sand zu erwarten.

Campeinfahrt

Da es der einzige Campingplatz in der Umgebung von Tarfaya ist, wollen wir uns direkt in der Stadt zumindest dort in der Nähe nach einem Stellplatz umschauen

Abfahrt Tarfaya
Oha! Die Sandmengen sind doch beachtlich

 

Krisensicherer Job auf Lebenszeit

 

So sehen Ralph und Birgit den Sternwanderer.  Das Salz auf der Scheibe sorgt nicht gerade für Durchblick, scheint´s

 

Wir erreichen die Stadtgrenze.
Tarfaya ist sicher nicht umsonst von einer meterhohen Mauer umgeben.
Nützt – wie man sieht – im Moment aber nur bedingt.

Die Landesflagge schmückt die Straßen

 

Tarfayas Hauptstraße

Wir fahren erst einmal durch Tarfaya hindurch, um hinter dem Ort nach einem Stellplatz zu suchen, der von Chris (HildeEVO II ) mal beschrieben worden war. Vor der Küste dümpelt hier der klägliche Rest einer Fährverbindung zu den Kanarischen Inseln in den Wellen

 

 

Falls jemand immer schon mal gern ein Passagierschiff sein eigen nennen wollte: hier wäre eines günstig zu haben

Sieht das aus, als würde der Himmel ein wenig hämisch lachen oder spinne ich?

Der beschriebene Stellplatz sagt uns jedenfalls nicht zu – wir fahren deshalb wieder zurück in den Ort

Tarfayas Fahnenschmuck weht über dem Wüstensand – die Palmen auch

 

Zwingen die vom Sturm gebeutelten Flaggen oder die Fähnchenkette die Flaggenmasten in einen 70° Winkel??

Den Palmwedeln geht es in dem Sturm auch nicht so richtig gut

Die einzig denkbare Stelle und halbwegs windgeschützte Stelle befindet sich zwischen dem Cafe/Restaurant Dunas und dem Hotel Tarfaya Aoudate. Hier stellen wir uns hinter eine Hauswand, damit der Sturm in der Nacht nicht ganz so heftig an den Fahrzeugen rüttelt. Natürlich sind gleich ein paar Jungs da, die schauen und wenigstens ein paar Bonbons haben wollen. Ein paar Bonbons später haben sie dann auch keine Lust mehr, im Wind zu stehen und trollen sich, während wir uns für einen kleinen Stadtrundgang bereit machen.

 

 

 

Hauptstraße mit Weihnachtsbeleuchtung (?!)

An der Hauptstraße

In einer der Nebenstraßen finden wir einen „Herboriste“ – einen Kräuterladen, in dem man nicht nur Kräuter für die Küche sondern vor allem welche gegen jede Art von Krankheit findet. Die „Medizin der Wüste“ ist hier im Süden noch weit verbreitet und es gibt richtige Kräuterärzte (die hier ihr Handwerk regelrecht studieren)

Abenstimmung in Tarfaya

Wir wollen essen gehen und da wir in der Stadt nichts Nettes gefunden haben, gehen wir zum Hotel Tarfaya zurück, um dort vielleicht etwas zu bekommen.
Vom Eingang aus führt man uns über diverse Gänge und Treppen in einen versteckten, großen Saal, der unerwartet üppig ausgestattet ist.: Die Decken und Wände sind mit maurischen Ornamenten verziert, die Wände tragen schönen, spiegelglatten Kalkputz, auf den Tischen goldfarbene Decken… Wir staunen nicht schlecht über so viel ungewohnten Luxus. Meist sind die Restaurants hier recht karg und einfach eingerichtet aber das kann man hier nun wirklich nicht sagen.

Alles staunt über die prächtige Deckenverzierung

Na sowas – und das in so einem winzigen Dorf

 

Da steckt richtig Mühe drin

 

Ganz speziell: das Wandbild aus dem Berchtsgadener Land

 

Da war einmal ein Marokkanischer Fliesenleger der sagte: Ich mach mal schnell ein Gästeklo!

Wir sind die einzigen Gäste an diesem Abend und der Koch hat eigentlich schon fast Feierabend. Aber wir sehen wohl so hungrig aus, dass er für uns noch eine Pizza zaubert. Irgendwie haben wir danach trotzdem noch ein bisschen Hunger und nun weiss der Koch nicht, womit er uns noch füttern kann. Pizza ist aus aber es gibt noch Fisch – kalt zwar aber trotzdem seeehr lecker!
Und da er ja eigentlich schon fertig ist für heute, setzt sich der Koch zu uns an den Tisch und beginnt, zu erzählen. Mustafa heisst er (Zufall? – unser letzter Koch hiess schliesslich auch so), vielleicht Mitte fünfzig und ein weitgereister Mann: er kommt gar nicht aus Tarfaya, sondern ist weiter im Norden Marokkos geboren. Er ist Berber, wie viele hier und wollte schon früh die Welt kennenlernen. Daher hat er mal hier, mal dort gearbeitet – als Koch sicher immer willkommen. Er war in vielen Ländern, auch in Russland und einige Zeit in den USA. Daher spricht er recht gut englisch und seine Sicht der Dinge hat sich mit den Reisen verändert. irgendwann ist erzurückgekehrt und in Tarfaya hängengeblieben. Er erzählt uns, wie er das Leben und sein Land sieht und das es hier noch viel zu verändern gilt. Man hat fast ein bisschen den Eindruck, als sei hier im Wüstensand ein kleiner Edelstein gelandet, der hier im Gespräch mit uns aufblitzt.
Mustafa hinterlässt einen tiefen Eindruck bei uns und wir verabschieden uns aus tiefstem Herzen von ihm.
Wir denken an diesem Abend noch lange über das Gespräch nach…

Am nächsten Morgen schönster wieiß-blauer Himmel aber natürlich immer noch Sturm – wie sollte es auch anders sein. Fast gewöhnt man sich schon dran.
Wir fahren noch zum Strand, um dem Museum für den berühmtesten Bewohner dieser Stadt noch einen Besuch abzustatten.

 

 

Standpromenade im Sturm

 

Die armen Palmen…

 

Meine Güte, war irgendwo Flaggenausverkauf??

 

Antoine de Staint-Exupéry, Autor des in wohl fast allen Ländern der Erde bekannten, kleinen Buches „Der Kleine Prinz“ war im 2. Weltkrieg hier als Flieger stationiert und deshalb hat man hier in Strandnähe ein kleines Museum für ihn eingerichtet. Wir fahren also hin – wenn man schon mal hier ist…

Vor dem Museum für Staint-Exupiéry

 

Aus der Museumssammlung

Nun lassen wir Den Kleinen Prinz, Mustafa und die Wüstenstadt Tarfaya hinter uns – es geht für uns noch weitere 100 Kilometer nach Süden.

FORTSETZUNG FOLGT

* * *

 

0 Comments

  1. da habt ihr mehr als genug an sand gehabt. Wahnsinn, aber beeindruckend. das gästeklo könnte mir auch gefallen und schön das ihr solche Erlebnisse mit Mustafa hattet. weierhin alles liebe

  2. Gruesse aus Oregon – bin leider mit dem lesen hinterher, es gibt hier fuer mich zuviel zu tuen, danach bin ich meist zu muede und habe deswegen den ersten Teil von Tan-Tan uebersehen.
    Ich bin immer froh wenn Ihr Menschen wie Mustafa trefft und es erinnert mich an meine Reise, vor langer Zeit in Mittel-Amerika, in der ich Menschen traf, die mir Guete zeigten und meine Reise mit Ihrem Wohlwollen vor manchen Gefahren schuetzten.
    Ich werde erst Morgen weiterlesen, es ist schon wieder mal sehr spaet.

    Ich weiss, dass das Gebiet.in dem Ihr reist, schon lange ein Krisengebiet ist und diese Gegend seit dem Terror Anschlag in Bruessel wieder mehr von der Nato ins Auge genommen wird. Also, ich wuensche Euch weiterhin alles Gute!
    Aloha, Tina

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