Marokko 2016

16.-18.2.2012 – Behördengänge in Laayoune

Bis auf den Sturm, der immer mal wieder um die Hausecke blies und an den Fahrzeugen rüttelte, verlief die letzte Nacht auf dem Platz mitten in Tarfaya sehr ruhig.
Niemand kam auf die Idee, sich die beiden merkwürdigen Gefährte einmal näher anzusehen oder sonstige seltsame Gedanken. Also alles ruhig, so dass wir ausgeruht unsere Fahrt nach Süden wieder aufnehmen können.
Nach Laayoune sind es schließlich noch etwas mehr als 100 Kilometer und so machen wir uns wiederum auf den Weg nach Süden – immer der N1 folgend. Allerdings gibt es kurz nach Tarfaya noch die „alte N1“, die noch etwas dichter am Meer verläuft und auf der heutzutage kein LKW-Verkehr mehr herrscht, weil die „Neue“ viel schöner und glatter ist. Wir nehmen natürlich die alte Strecke und sind hier ziemlich allein unterwegs.

Wir kommen also zwangsläufig kurz hinter dem Ortsausgang wieder an der alten Fähre vorbei, die erstaunlicherweise in den Sturmwellen immer noch nicht zerbrochen ist.

 

Der Sturm schiebt in unverminderter Stärke die Sandfahnen über die Straße und die Dünen am Strand sind hier nun schon so hoch, das wir das Meer dahinter nicht mehr sehen können. Entsprechend viel Sand zum Umverteilen steht dem Wind zur Verfügung und er macht reichlich Gebrauch davon.

Auch hier sind die Sandbagger im Dauereinsatz – ansonsten wäre die Straße sicher in kürzester Zeit unter dem Sand verschwunden.

 

 

 

In der Wüstenebene taucht ein ziemlich großer Gebäudekomplex auf. was auch immer die hohe, mit Stacheldraht gesicherte Mauer begrenzt – die Grenze ist durch den Sand jedenfalls ziemlich nutzlos geworden: Die Dünen haben vor (und sicher auch hinter) der Mauer eine schöne Rampe gebildet, die jetzt bis an die Mauerkrone reicht – wer will, braucht jetzt nur noch die Düne zu erklimmen und hat einen bequemen Zugang ins Innere. Ist schon erstaunlich, was so ein paar Sandkörner alles so können.

 

Die Fischerhütten am Strand sehen zwar malerisch aus, werden aber ziemlich gesandstahlt –  den Ziegen ist´s in ihrer normalen Höhe jedenfalls zu sandig geworden und zwei von ihnen haben sich schon mal auf´s Dach geflüchtet. Ist sicher deutlich besser dort oben.

 

Ein paar Kilometer weiter sind die hohen Dünen nicht nur am Strand sondern auch direkt neben der Straße zu finden und die meterlangen Sandfahnen hinter den kleinen Büschen geben eine nettes Bild ab.

 

 

 

 

Bis auf die paar Fischerhütten sind auf der ganzen Fahrt keinerlei Gebäude zu sehen gewesen. Ob dieses hier einem modernen Diogenes (ja – der in der Tonne) als Behausung dient, oder ob das Teil nur irgendwie im Wüstensand vergessen wurde, können wir nicht feststellen. Sieht für uns jedenfalls aus, wie ein Teil von einem Flugzeugrumpf. Wie kommt das Ding an den Straßenrand??

 

Diogenes hätte seine helle Freude an der fertigen „Tonne“

Doch noch ein Gebäude im diffusen Licht. Könnte ein Militärkontrollpunkt sein – ist aber niemand zu sehen. Wundert uns nicht bei dem Wetter.

So langsam nähern wir uns Laayoune  – es sind nur noch rund 15 Kilometer und demnächst müssen wir unsere schöne „alte N1“ wieder verlassen, weil sie sich wieder mit der neuen Straßenführung verbindet. Kurz vor der Abbiegung auf die eigentliche N1 stehen wir vor einem langen Straßenabschnitt, auf dem der Wind ganze Arbeit geleistet hat: ein weiches, tiefes Bett aus schönstem Saharasand ziert den Asphalt. Für uns ist es nicht so das allergrößte Problem aber das uns entgegenkommende Wohnmobil und der PKW drehen nach einem kurzen Moment der Überlegung lieber wieder um – was aus deren Sicht auch sicher eine weise Entscheidung ist.

 

Wir fahren gemütlich durch das weiche Sandbett und freuen uns einmal mehr über unsere Reifen… Kurz danach kommt uns der Sandbagger entgegen – auf ihn wartet viel Arbeit!

Kurz vor Laayoune durchzieht die Wüste ein Feuchtgebiet und die Büsche werden von etwas bizarr geformten Sandhügeln umgeben. Schön anzusehen in dem seltsamen „SandLicht“.

 

Hier hat man wohl mit einer Hotelanlage begonnen. Ob die wohl wirklich mal genutzt wird? Vielleicht vom Sandmännchen und seinen Kollegen auf Urlaub.

 

 

 

Links ´rum nach Laayoune! Ist nicht mehr weit…

Halbverfallene Hangar (wie ist eigentlich die Mehrzahl von Hangar???) im Wüstensand

 

Wir kommen durch ein kleines Dorf mit nur ein paar Häusern. Bei allen sind die Fenster der ersten Mauer zugemauert. Vielleicht als Wind- und Sandschutz?

Die lange, wenig befahrene – dafür aber vierspurig ausgebaute – Zufahrtsstraße nach Laayoune

Dieser Mast kippt jedenfalls nicht mehr um

 

Warnung vor den Dünen auf der Straße

 

Ortseingang Laayoune

Die Dünen vor der Lagune von Laayoune sind so sehr in Bewegung, dass sie speziell gesichert werden. Ob´s hilft?

Da sind wir.
Unser Ziel hier ist nicht die Stadt selbst, sondern der Flughafen von Laayoune, denn an den internationalen Flughäfen und Seehäfen kann man in Marokko Zollformalitäten erledigen. Und genau das wollen wir hier: bei der Einreise bekommt man in Marokko ein 90-Tage –Visum; Fahrzeuge bekommen so was wie eine Aufenthaltsengenehmigung vom Zoll. Diese gilt normalerweise ein halbes Jahr. Normalerweise. Da wir ja bei unserer Einreise den totalen Computerabsturz in TangerMed erleben durften, wurden für unsere Fahrzeuge (LKW und Moped) jeweils nur zwei Monate Zollgenehmigung handschriftlich von den Beamten vermerkt.  Danach müssen die Fahrzeuge das Land verlassen.Da wir mit zwei Monaten Aufenthalt in Marokko sicher nicht hinkommen und wir auch nicht nach Mauretanien ausreisen und wieder einreisen wollen, müssen wir halt hier am Flughafen eine Verlängerung beantragen.

 

Internationaler Flughafen Hassan I

So stellen wir uns auf den relativ kleinen Parkplatz am relativ kleinen internationalen Flughafen (Paderborn-Lippstadt ist deutlich größer) und fragen uns zum Zoll durch. Ralph und Birgit wollen sich derweil in der Stadt umschauen.
Nun sagt man uns, dass der Beamte erst ab 16.00 uhr wieder in seinem Büro ist. Wir warten also auf dem Parkplatz so lange und suchen dann mit Hilfe einiger freundlicher Beamte das Zollbüro auf. Hier wollen wir warten bis alle anderen, die schon irgendwas in dem Büro zu tun haben, fertig sind. Uns wird allerdings gesagt, wir sollen nicht VOR, sondern IN dem Büro warten. Hm. Da stehen aber schon vier andere Personen drin. Mir den Beamten sieben. Etwas eng. Wir nehmen den Kompromiss und warten in dem winzig kleinen Vorraum. Zeit genug, sich umzuschauen und die vielen Kleinigkeiten zu entdecken, die so anders sind, als bei uns:
Die Verlegung der Kabel auf oder unter Putz, wie man halt gerade drankommen muss – verputzt heißt halt nur ein bisschen rohen Putz draufschmieren – Hält doch.
Steckdosen entsprechen halt nicht immer irgendwelchen völlig übertriebenen Sicherheitsgedanken.
Die Fensterscheiben sind nicht immer alle vorhanden und die Fensterflügel sitzen auch schon mal schief und schließen nicht. Uns wundert ein wenig, dass sich hier im Büro noch kein Wüstensand angesammelt hat….
Eine Zahnbürste liegt unter einem Schreibtisch auf dem Boden und hat sicher schon ihre Arbeit getan.
Im Büro selbst herrscht marokkanische Aufregung mit Diskussionen um  wir-wissen-nicht-was und zwischendrin pfeift der hochmoderne Nadeldrucker sein schrilles Lied.
Wir schauen uns die Szenerie ein bisschen belustigt an und warten, bis wir dran sind.

Endlich schaut der hagere Beamte zu uns und fragt, was wir wollen. In unserem schönsten Amtsfranzösisch 😉 machen wir uns verständlich. Er nimmt die Unterlagen und blättert. Und guckt und blättert. Dann sagt er, das er einen französischen schriftlichen Antrag von uns braucht. Formular gibt´s nicht – wir sollen einen 3-Zeiler schreiben. Hm. Unser Amtsfranzösisch ist dafür vielleicht doch nicht gut genug… Außerdem hätten wir noch ein anderes Problem. Welches verstehen wir erst mal nicht. Ein anderer Marokkaner kommt zu Hilfe. Ob das auch ein Beamter ist, oder ein Privatmann, können wir nicht erkennnen. Er bemüht sich jedenfalls zusammen mit dem Beamten, uns zu erklären, dass das Moped ist bei der Einreise registriert worden sei – der LKW jedoch versehentlich nicht. Das müsse erst mal bei Hauptzollamt in der Stadt nachgeholt werden. Super. Wo ist das Hauptzollamt? Außerdem haben wir bei dem ersten Blick in die Stadt schon gesehen, das sich diverse Straßen hier so gar nicht für LKW eignen. Selbst hinfahren ist also keine Option.
Der „Privatbeamte“ nimmt uns an die Hand: mit verschiedenen Zetteln bewaffnet, gibt er uns zu verstehen, dass wir schnell mitkommen sollen. Wir folgen brav. Das so ein kleiner Mensch so schnell gehen kann…Vor dem Flughafen warten die in jeder Stadt anzutreffenden „Petit Taxis“: kleine, farblich gekennzeichnete, mal gut mal weniger gut gepflegte Fahrzeuge, mit denen man günstig jeden Punkt in der jeweiligen Stadt erreichen kann. Unser Taxi war weniger gut gepflegt. Dafür hatte es einen schnellen Fahrer. Festhalten ist angesagt und irgendwo in der Stadt landen wir vor einem offiziell aussehenden Gebäude. Unser Privatbeamter springt aus dem Fahrzeug und hastet mit uns in das Gebäude. Mitkommen. Schnell. – Ok. Machen wir. Treppen hinauf hasten. Nun stehen wir in einem Büroflur, der so aussieht, wie überall sonst auch und er flitzt von einem Büro ins andere. Kommt zurück und gibt uns zu verstehen, dass der zuständige Beamte heute schon Feierabend hat. Da hat die Eile uns nun doch nichts genutzt….
Er lässt sich nicht beirren und geht noch einmal in ein anderes Büro: es ist groß und die Einrichtung wie auch die Haltung, des Mannes der hinter dem großen Holzschreibtisch sitzt, macht klar, dass er sehr wichtig sein muss. Der aufgeregte Wortschwall, mit dem er unseren Privatbeamten überzieht und ihn  – zumindest für unsere Ohren – mehrfach faltet, spricht auch für seine Wichtigkeit. Sehr speziell…
Wir fahren unverrichteter Dinge wieder zum Flughafen, der Privatbeamte, erklärt dem hageren Beamten den Sachverhalt und uns, das wir morgen wieder zum Hauptzollamt müssen und dann wieder hierhin, um die Sache zu Ende zu bringen.
Na gut. Beamte, die Feierabend haben, gibt es bei uns auch. – allerdings hätte sich bei uns wahrscheinlich niemand gefunden, der so ohne weiteres mit Fremden quer durch die Stadt fährt, um zu helfen. Wir geben ihm ein wenig Geld für den Feierabend-Tee in einer Minzteestube und verabschieden uns.
Dank eines sehr freundlichen Polizeibeamten dürfen wir – nach Nachfrage welcher Nationalität wir denn seien – auf dem Flughafenparkplatz verbringen. Ralph und Birgit bekommen die Erlaubnis ebenfalls, nachdem den beiden nach schlechten Erfahrungen mit steinewerfenden Kindern – die Lust vergangen ist, irgendwo in Laayoune zu stehen.
So schlendern wir ein wenig durch die Parkanlagen vor dem Flughafen und finden es ganz angenehm, dass hier der Wind von ein paar Gebäuden ein wenig abgehalten wird.

Die Parkanlagen vor dem Flughafen wirken recht gepflegt

 

 

Sonnenuntergang am Flughafen

Parkplatz für die Nacht

Nach einer ruhigen Nacht (Flüge gibt es hier offensichtlich nur sehr, sehr selten) begeben wir uns am nächsten Tag zum Hauptzollamt und treffen dort auf eine ausgesprochen freundliche BeamtIN. Die Beamtin hat eine Schwester, die in Deutschland studiert hat und ruft diese an, damit die Schwester uns erklärt, was wir noch zu tun haben. Wir sprechen als mit der Dame am anderen Ende – und hören eine Marokkanerin mit völlig akzentfreiem, absolut fließendem Deutsch. Sehr hilfreich, nach dem Amtsfranzösisch das Ganze noch einmal in unserer Muttersprache zu hören. Wir bedanken uns bei beiden Damen sehr und machen uns wieder auf den Taxiweg zu unserem Flughafenbeamten. Der erwartet uns schon mit einem von ihm geschriebenen französischen Antrag. Das ist ja nett!. So haben wir nun alles beisammen und müssen nur noch auf den Bürovorsteher warten, der alles unterschreibt. Das heißt, wir warten. Diesmal im Büro des Beamten. Der uns noch ein paar Fragen über Deutschland und Fußball stellt und uns dann die Wartezeit mit Musik aus seinem PC verkürzen will. Er lässt einige gesungene Koransuren für uns laufen… Wir warten. Die Suren wiederholen sich für unsere Ohren. Wir warten immer noch. Nach ungefähr einer halben Stunde fragen wir vorsichtig nach, wann der Unterschriftsgeber denn kommen mag. Er telefoniert. Nach weiteren 10 Minuten surenuntermalten Wartens erscheint ein Mann im Anzug und blättert alle Unterlagen durch. Gespanntes Beobachten unsererseits. Es scheint alles in Ordnung – er unterschreibt.
Juhu! Nach 2 Tagen, in denen wir die Besonderheiten Marokkanischen Bürolebens aber auch die Besondheit Marokkanischer Hilfsbereitschaft kennenlernen durften, haben wir nun unsere Zollverlängerung!!

Da es aber nun auch schon wieder später Nachmittag ist, brauchen wir nun noch einen Stellplatz für die Nacht. Ralph und Birgit haben sich telefonisch gemeldet, dass sie 20 km westlich der Stadt einen Platz am Strand gefunden haben. Dorthin fahren wir und nach den Mühen der letzten 2 Tage, gibt Ralph uns noch ein Bier (!) aus seinem Marokkovorrat aus. Das ham wir uns verdient! Wir genießen – so gut- es bei dem Wind geht – die kurze Abenddämmerung und reden noch ein wenig über unsere jeweil sehr unterschiedlichen Erlebnisse der letzten beiden Tage bis der jetzt kühle Meerreswind uns in unsere Unterkünfte treibt

 

 

 

Die Wüstendünen bei Laayoune im Abendlicht

 

 

Hier haben auch die Flaggen eine stramme Haltung

 

 

Strandweg zum Übernachtungsplatz

Am nächsten Morgen verlassen wir wieder den Badestrand der Stadt und durchfahren wir zum nun wirklich allerletzten Mal die Stadt Laayoune ostwärts. Ab hier verlassen wir die N1, die weiter nach Süden führt und nehmen eine Querverbindung nach Osten in Richtung Es Smara – Hauptort der West Sahara.

 

Immer der olle Sand in den Augen!

 

Beim Durchfahren von Laayoune sehen wir eine moderne und relativ aufgeräumte Stadt – wobei der Altstadtbereich lauf Rlph und Birgit ein völlig anderes, recht schmuddeliges Bild abgeben soll. So unterschiedlich können die Eindrücke ein- und derselben Stadt sein…

Wir verlassen Laayoune nach Osten und bald hat uns die Wüste wieder!

 

Laayoune Stadttor

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Obstverkauf am Straßenrand

 

Guck mal! Sowas gibt´s jetzt auch von BMW???

Der arme Obstverkäufer steht ein bisschen verloren im Straßenverkehr der 200.000-Einwohner-Stadt

Nach dem Gewusel der Stadt wieder sehr erholsam – die Wüste!

FORTSETZUNG FOLGT

* * *

0 Comments

  1. Toll, erinnert mich wieder mal an Szenarios in Mittel-Amerika, was die Reise erst richtig interessant macht. Ich denke es war fuer Euch auch ein aussergewoehnlich spezielles Erlebnis diese Art "Buerokratie" kennen zu lernen.
    Gut das auch Euer Franzoesisch zur Verstaendigung weitergeholfen hat. Sieht so aus als ob Ihr Eure Reiseroute nicht unweit vom Krisengebiet geplant habt – Es Smara scheint nicht sehr weit entfernt vom Berm zwischen Marokko und Mauretanien zu liegen – ich hoffe Ihr fahrt bald wieder Richtung Kueste!
    Alles Liebe, Tina

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