Marokko 2016

Der verborgene Wasserfall

Wir hatten uns ja etwas außerhalb von Es Smara einen Schlafplatz gesucht und eine ruhige Nacht verbracht.
Da wir den Platz aufgesucht haben, als es bereits dunkel war, sind wir nun am Morgen einigermaßen überrascht von der völlig neuen Umgebung: gestern sind wir noch durch helle Geröllwüste gefahren, in der wir sogar den ein oder anderen Baum sehen konnten und heute finden wir uns in einer Art Mondlandschaft wieder:

Die Landschaft ist übersät mit sehr scharfkanfig gebrochenen, flachen Steinen. Alle in einem freundlichen grau-schwarz-braun gehalten. Nur an den Stellen, an denen offensichtlich etwas Feuchtigkeit im Erdboden vorhanden ist, wachsen ein paar niedrige Büsche und etwas helles Gras.
Trotz – oder gerade aufgrund – dieser bemerkenswerten Leere hat die Gegend etwas Faszinierendes an sich. Vielleicht, weil der dunkle Boden einen besonders starken Kontrast zu dem intensiven Blau des Himmels bildet.

 

 

 

 

Solche Steine „wachsen“ hier – solch hübsche gelbe Blumen allerdings auch. Wenn auch selten.

 

Nachdem wir noch ein wenig über die Landschaft gestaunt haben, fahren wir auf dem gleichen Weg in die Stadt zurück, den wir gestern abend im Dunklen genommen haben

Der Steppenwolf in der grau-schwarzen Steinwüste

 

Diese sehr besondere Ödnis begleitet uns noch bis an den Stadtrand. Dann wird sie abrupt von der Fülle der Stadt abgelöst.

Leere?

 

Ziemlich unvermittelt finden wir uns in der belebten Stadt wieder. Bei dem schönen Wetter setzen wir uns noch in ein nettes Straßencafé und trinken einen ziemlich guten Kaffee. Das beste aber ist, das Ralph und Birgit irgendwo wieder mal einen richtig guten Konditor gefunden haben und was „für die innere Schönheit“ (wie es Ralph so schön formuliert) mitgebracht haben. Seeehr lecker!
So sitzen wir noch ein wenig in der warmen Sonne, beobachten, was so um uns herum passiert und lassen es uns gut gehen…

Auf dem Rückweg zu den Fahrzeugen entdecken wir noch ein paar Bauarbeiter die gerade in luftiger Höhe Pause machen. Irgendwie drängen sich Gedanken an die diversen Sicherheitsvorschriften in unserer Heimat auf. Alles völlig übertrieben wie´s scheint…

 

 

Es wird Zeit, Es Smara wieder zu verlassen. Es hat uns hier gut gefallen und wir kommen sicher wieder.
Jetzt fahren wir nach Norden – vorher wollen wir aber natürlich nochmal den günstigen West-Sahara-Sprit tanken. Wer weiß schon, wo wir die nächste Tankstelle finden…

 

Etwas abseits auf dem Tankstellen-Glände ist dieser (ehemals schöne) Mercedes Rundhauber abgestellt. Zuerst dachten wir an einen Schrottwagen – aber nein: der LKW war in seinem Zustand wirklich immer noch in Benutzung

Bereifung mit dem Profil, das halt grad da ist

 

Plastikkanister als Tankverschluss  – geht auch.
Der Dieseltank hat schon lange eine dicke Schutzschicht aus  feinem Sand – da rostet nix mehr!

Bei einem Dieselpreis von ungefähr 0,42€ macht das Tanken einfach deutlich mehr Spaß als bei 1,42€…(hatten wir ja auch schon mal)

Wir machen uns auf nach Norden, um dort einen Wasserfall zu finden. Ralph und Birgit hatten von anderen Reisenden gehört, wo ungefähr diese Besonderheit zu finden sei. Ein Wasserfall in der Wüste ist schließlich nicht besonders häufig zu finden. Also machen wir uns auf die Suche.

Nördlich (und natürlich auch westlich) von EsSmara findet sich übrigens wieder die uns schon bekannte hell gefärbte Geröllwüste.
Von der fast schwarzen Wüste östlich der Stadt ist hier nichts mehr zu sehen.

Hier gedeiht sogar relativ viel Grün

Wenige Kilometer nördlich der Stadt kommen wir an einem offensichtlich nie in Betrieb genommenen Campingplatz vorbei. Ein Hinweisschild rostet zwar noch irgendwo vor sich hin aber der Blick in das Innere der (teilweise schon wieder eingefallenen) Mauer verrät uns, das der völlig versandete Platz nie wirklich in Benutzung war.
Kein Wunder: hier kommen sicher nicht sehr viele Touristen vorbei.

 

Die Wüste wird wieder flach und leer. Über viele Kilometer.

 

 

Echter Sandstein…

Ein paar höhere Hügel aus festgebackenem Stand stehen irgendwo in der Landschaft

 

Nach 100 Kilometern Wüste biegen wir nach links in eine Straße ein (die einzige bisher). Diese führt irgendwann wieder zum Atlantik und zu einem uns schon bekannten Ort: Akhfenir.
Es ist die Verbindungsstraße, auf der wir vor fünf Tagen schon einmal von Akhfenir aus Schutz vor dem kräftigen Atlantikwind gesucht haben…
Es gibt hier halt nicht soooo viele Asphaltstraßen (wir reden nicht von Pisten!)

 

Hier hat es in den letzten Tagen offensichtlich kräftiger geregnet, als in der Gegend um Es Smara. Auf dem Wüstenboden haben sich flache Seenlandschaften gebildet.

Eigentlich sind es ja nur große Pfützen links und rechts der Straße aber schön anzusehen sind sie auf jeden Fall. Und in der Wüste haben sie immerhin Seltenheitswert.
Trotzdem: dass ich mal mit Begeisterung Pfützen fotografieren würde, hätte ich auch nicht gedacht…

Na gut, manche Pfützen haben die Ausmaße von kleineren Seen…

Pause auf der menschen- und damit autoleeren Straße. Schließlich sind wir ja schon wieder zwei Stunden oder mehr unterwegs…Lotta freut´s! Dem Ball nachjagen kann man auf dem glatten Asphalt schließlich viel besser als auf dem Wüstenboden, auf dem alle Nase lang irgendwas Stacheliges oder Pieksendes ´rumliegt und einem in Pfoten sticht. Also los geht´s!!

 

 

 

Hier am Straßenrand hat der Regen der letzten Tage kleine rosa Blüten sprießen lassen. Sehr hübsch  anzusehen!

 

Wir fahren noch eine Zeit an den kleinen Teichen und seen vorbei und fragen uns immer mehr, wo wir denn nun diesen Wasserfall wohl finden sollen. Die Landschaft sieht durch ihr Grün auf der rechten Seite eher nach Wasserfall aus. Wir suchen die Landschaft mit den Augen ab aber es ist kein Hinweis zu entdecken.

Da wir keine genau Position des Wasserfalls haben, fahren wir auf gut Glück an einer Stelle von der Straße ab, die erfolgversprechend aussieht

Hmm, der Untergrund ist zwar unter der angetrockneten Oberfläche ziemlich matschig aber mehr Wasser bekommen wir hier wohl nicht zu Gesicht.

Also wieder zurück zur Straße…

Direkt neben dem Matschweg sehen wir wieder mal eine der kleinen Überraschungen beim Off-Road-Fahren: ein Loch im Sandboden, groß genug einen jähen Stop und für viel, viel Arbeit, wenn man es zu spät sieht…

Wir folgen der Straße weiter – irgendwann müssen wir doch was von dem ominösen Wasserfall sehen. Oder ist der nur ein Hirngespinst?? Aber Ralph schwört Stein und Bein, dass er sogar Fotos davon gesehen hat. Also weitersuchen.

Bei der Suche nicht die Straße aus den Augen verlieren!!

 

 

Immer noch hübsche, blaue Seenlandschaften aber halt alles nur in der Horizontalen

Hier hat es wohl eswas mehr geregnet – das Wasser fließt jedenfalls immer noch über die Straße und gibt ein nettes Foto ab.

Aber die Windräder kommen uns doch bekannt vor – und das tiefe Tal, in das wir jetzt auf der rechten Seite schauen können, haben wir auch schon mal gesehen: das Tal, in das wir – von der Atlantikseite kommend – schon einmal hineingeschaut haben. Aber einen Wasserfall haben wir damals nicht gesehen.

 

Wir fahren trotzdem an den Talrand heran. Irgendwo hier muss er doch sein?!

 

 

Sollte dieser Mini-Wasserfall gemeint sein??

 

Der LandRover fährt auf einer Piste an Ende des Tales

Wir können außer einem Mini-Wasserfall jedenfalls nichts entdecken. – Und wie wir da noch so stehen und suchen, kommt ein alter LandRover angebraust und hält neben uns. Darin sitzen ein älterer Marokkaner mit schwarzem Turban auf dem Kopf bzw. vor dem Mund (wie wir inzwischen am eigenen Leib erfahren haben,

die einzig wirklich sinnvolle Kopfbedeckung in dieser Gegend hier) und vermutllich sein Enkel.
Obwohl beide kein Wort französisch sprechen, macht Ralph mit seinem Talent für verständliche Zeichensprache ihm klar, was wir suchen. Der Marokkaner nickt und fährt los: an uns vorbei, auf einer kleinen Piste ein Stück parallel zu der Straße, auf der wir gekommen sind und biegt dann auf eine Piste ein, die am Ende des Tales vorbeiführt. Er fährt oberhalb des Mini-Wasserfalls an diesem vorbei und dreht ein Stückchen weiter mit seinem Landy ein paar Pirouetten. – Der Mann will uns was zeigen!! Ist das nicht toll? Der einzige Mensch auf den gesamten 150 Kilometern Strecke und ausgerechnet der ist auch noch ausgesprochen nett!

Pirouetten als Wegweiser

Nun geht er wohl davon aus, dass wir seine Zeichen verstanden haben, dreht wieder und fährt auf der gleichen Strecke grüßend an uns vorbei. Weg ist er – so schnell wie er kam. Wo er hingefahren ist? Keine Ahnung. Jedenfalls gibt es hier in der Nähe keinen einzigen Ort….

So schnell, wie er kam, verschwindet der Landy wieder

 

Wir machen es dem LandRover nach und folgen der Piste. Ist ja nicht wohl nicht weit. Aber irgendeinen Wasserfall können wir immer noch nicht sehen. Ob er uns richtig verstanden hat?

Ist allerdings ziemlich matschig!

 

Und als wir nur noch vielleicht 15 Meter von der Felskante entfernt sind, sehen wir, was der freundliche LandRover-Fahrer meinte:
Der Wasserfall,den wir suchten, stürzt direkt vor uns in die Tiefe!! Unfassbar! Wie war das noch?: In dieser Landschaft verschwinden große Risse und ganze Täler, bis man fast hineinällt. – Ein eindrucksvolleres Beispiel hätte es für uns nicht geben können!

 

Wir haben auf dem Weg dorthin leider ein paar neue Furchen durch den Matsch ziehen müssen und die Reifen haben ein bisschen davon aufgesammelt…

Es ist wirklich nicht zu glauben: Wir sind keine 200 Meter von der Straße entfernt, aber den beindruckenden Wasserfall (genaugenommen sind es sogar drei!) hätten wir nicht gesehen, wenn er uns nicht gezeigt worden wäre…Nun tut sich dieses wunderschöne Bild direkt vor unseren Nasen auf:

 

Ein überwältigend schöner Anblick – hier bleiben wir!!

Nochmal ein Foto aus ca 40 Metern Abstand: Hier sieht man weder was von dem Tal, noch von dem Wasserfall… sehr erstaunliches Phänomen!

 

Diese „Pfütze“ fließt 20 Meter weiter in den Talkessel -hier ist sozusagen der obere Teil des Wasserfalles

 

So sieht man das Tal, wenn man der „Pfütze“ bis fast an ihren Absturz folgt. Die Wasserfälle sind nun direkt rechts neben dem Fotostandpunkt

Blick nach rechts auf die Fälle

Im Abendlicht erscheint über den Wasserfällen der fast volle Mond – es ist ein wunderschöner Anblick, den wir sehr genießen!

 

Gruppenbild im Abendlicht an unserem Schlafplatz direkt vor den rauschenden Wasserfällen

 

Ob Lotta es hier auch so schön findet, hat sie uns nicht verraten

Während wir hier so schön beisammen sitzen, geht gegenüber hinter dem Windpark die Sonne unter. Auch ein sehr schöner Anblick und deshalb muss die Kamera natürlich mal wieder ausgetestet werden!

 

 

 

So ergeben sich ein paar etwas surreal wirkende Bilder

Einziger Wermutstropfen: wo Wasser ist, sind auch Mücken – aber wozu hat man schließlich ein tragbares Mückengitter??

Am nächsten Morgen strahlt wieder die so schön untergegangene Sonne über der Szenerie. Und wir sehen deutlich, wie kurzlebig „unser“ Wasserfall ist: schon nach so kurzer Zeit sind die beiden vorderen Wasserfälle verschwunden und der hintere – der kräftigste von allen – ist im Vergleich zu gestern deutlich schwächer geworden. Das Wasser, das ihn speist, beginnt also bereits wieder, zu versiegen.
Wir durften also ein wunderschönes uns dabei zeitlich äußerst begrenztes Naturschauspiel erleben. Das nennen wir Glück!

Die schon deutlich dünner gewordenen Wasserfälle am nächsten Morgen

Wir sind gespannt, was dieses abwechslungsreiche Land noch für Überraschungen für uns bereit hält!

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FORTSETZUNG FOLGT…

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