Marokko 2016

Auf Pisten im Antiatlas II

 

In der Nacht hat der Sturm immer mal wieder an unseren Schlafstätten gerüttelt aber sonst war es wunderbar ruhig. Am Morgen: strahlend blauer Himmel von dem man denkt, dass es so eine Farbe gar nicht geben kann. Nur der Sturm hat sich nicht so richtig verzogen – er ist zwar weniger heftig aber für die aufwirbelnden Staubwolken reicht er noch allemal. Draußen frühstücken geht jedenfalls nicht.

 

 


Und so sind wir drinnen noch bei den letzten Bissen als wir einen einsamen Eselreiter auf unsere Autos zukommen sehen (wo auch immer der herkommt) – er steigt neben uns ab und scheint an einem nahen Felsüberhang etwas zu überprüfen. Ralph steht schon vor seinem Fahrzeug und der Eselreiter spricht ihn an – da Ralph ja schon mehrfach sein Talent in Sachen sprachenübergreifender Kommunikation und sozialer Kompetenz bewiesen hat, überlassen wir ihm das Feld. Nach einer Weile kommt Ralph zu uns und fragt, ob wir ein T-Shirt übrig hätten, das wir dem Mann überlassen könnten. Der Eselreiter hat sich bei Ralph wohl darüber beschwert, dass wir hier auf seinem Feld stehen (in einem Flussbett????). Eine Diskussion darüber ist mit dem ausschließlich arabisch sprechenden Mann sicher nicht möglich und außerdem wollen wir ihn ja auch nicht verärgern. So bekommt er von Ralph zur Besänftigung eine Sonnenbrille aus seinem Fundus und ein T-Shirt von Maik geschenkt. Beides nimmt er mehr oder weniger versöhnt entgegen und zockelt auf seinem Grautier von dannen. Er hinterlässt uns etwas ratlos: wer baut hier in dem Kiesbett eines Flusses irgendetwas an? Und von allem was? Vielleicht auch wieder Steine? Wir kommen zu dem Schluss, dass es sich bei dem Eselreiter vermutlich um Barney Geröllheimer handelt (ohne ihm nahetreten zu wollen, versteht sich) und wir verlassen natürlich umgehend sein Grundstück…

Wo um alles in der Welt kommt dieser Eselreiter her??

Irgendetwas kontrolliert er – vielleicht,
ob seine deponierten Sachen noch da sind

 

 

So zieht er – um ein T-Shirt und eine Sonnenbrille reicher –
wieder in die Einsamkeit der Flusslandschaft

 

Abfahrbereit

 

Das Blau des Himmels ist doch wohl unfassbar, oder??

Wir wollen sowieso los und heute noch weiter nach Süden, um der Schotterpiste bis zum Ende zu folgen und dort die „bunten Berge“ zu besuchen. So folgen wir der meist gut zu befahrenden Schotterstraße, die immer wieder das breite Flussbett kreuzt.

 

 

 

Der Pfeil zeigt uns den Weg😊

 

 

 

An den Flussdurchfahrten hat man die Straße mit Beton befestigt, damit man den Fluß problemlos queren kann aber an den oft weggebrochenen Betonplatten kann man sehen, mit welcher Kraft das Wasser sich hier seinen Weg bahnt, wenn es geregnet hat.

 

Glücklicherweise ist in der nächsten Zeit hier nicht mit Regen und damit mit einem reißenden Fluß zu rechnen.

 

 

 

So folgen wir der Strecke weiter und biegen bei Agertamanarte nach Westen auf die R102 ein. Die Straße ist asphaltiert – das hatten wir ja schon ein Weilchen nicht mehr.

So rollen wir auf der bequemen Asphaltdecke ein ganzes Stück dahin, bis wir auf der rechten Seite wirklich auffällig farbige Berge sehen. Hier fahren wir von der asphaltierten Straße ab, um uns die Berge einmal aus der Nähe anzusehen.

 

Nomadenzelte am Wegesrand

 

 

 

Die Berge haben hier regelrecht bunte Farben (leider auf den Fotos nicht so richtig zu sehen -Ihr müsst also hinfahren, um das selbst anzuschauen!!)

 

Der Kies am Straßenrand ist grünblau – wie gefärbt. Ist aber alles Natur-man glaubt es kaum

 

 

Wir kommen an einen kleinen Ort, der auf unserer Karte nicht verzeichnet ist. Um den bunten Bergen näher zu kommen, müssen wir nun durch den Ort – die Straße ist natürlich nicht für LKW ausgelegt und so schleichen wir uns zwischen den Lehmhäusern durch. Am Ende des Ortes stehen ein paar Leute zusammen vor einem Haus und schauen uns mit gro0en Augen an. Ihnen ist klar, wohin wir wollen, machen uns aber per Zeichensprache deutlich, dass wir hier auf diesem Weg nicht weiterkommen werden. So drehen wir um und müssen die engstehenden Lehmhäuser leider noch einmal behelligen…

 

Ein paar Kinder haben uns natürlich schon von weitem gesehen und stehen nun an der Straße, um zu schauen. Hier kommen offensichtlich nicht so oft Fremde durch, denn die Kinder betteln nicht besonders aktiv, wie das woanders schon oft der Fall war. So geben wir ihnen gerne ein paar Bonbons und wir ziehen langsam  weiter.
Nachdem wir das Dorf hinter uns gelassen haben, überlegen wir noch kurz, ob wir auf einer anderen Strecke näher an die wirklich auffälligen Berge heranfahren sollen aber wir haben sicher schon einen guten Eindruck von den erstaunlich vielfältigen Gesteinsfarben bekommen, so das wir nicht unbedingt näher heranfahren müssen. Außerdem müssen wir noch bis zu unseren gestrigen Schlafplatz auf dem Grundstück von Herrn Geröllheimer zurück, denn ab da beginnt der fahrerisch spannende Teil unseres Ausfluges.

Bis dahin ist es ja aber noch ein ganzes Stück und so fahren wir wieder über die Asphalt strecke zurück, um dann wieder auf die uns schon bekannte Schotterstrecke einzubiegen.

Nicht, ohne in dem kleinen Ort Agertamanarte noch etwas Nervennahrung zu besorgen (Patisserien gibt es häufig sogar in den kleinsten Dörfern).

 

 

 

Auch in diesem Ort gibt es eine Patisserie mit süßen Dingen für die „innere Schönheit“ (Zitat Ralph)  🙂

 

Wie gesagt – immer schön aufpassen, wohin man so fährt…

 

So sehen wir die beeindruckenden Berge jetzt von der anderen Seite und sehen sie aus immer neuen Perspektiven. Einfach toll!

 

 

 

 

 

Wir kommen an den von uns gesuchten Abzweig von der Schotterstrecke. Hier beginnt die eigentliche Piste, die uns rund 35 Kilometer auf völlig unbefestigten Wegen durch das breite, kiesbedeckte Flussbett des Oued Tamanarte führen wird. Meist sind diese Pisten ausschließlich von Landrovern und Co. befahren aber wir wissen von Marc und Doro, dass man auf diese Flusspiste zumindest mal mit einem 9 Tonner Steyr befahren kann (herzlichen Dank noch einmal für den Tipp, Marc!). So wollen wir uns an diese Strecke wagen und begeben uns in das Kiesbett. Unsere digitale Karte wird uns auf dem richtigen Weg halten, denn nicht immer wird der befahrbare Weg vor uns zu sehen sein. Auch die immer wieder aufgebauten Steinmännchen sind nicht immer verlässlich/vorhanden, weil sich die Streckenfüfrung durch natürliche Einflüsse immer wieder einmal ändert.

Das schlichte Hinweisschild deutet darauf hin, dass es sich wirklich um einen offiziellen Weg handelt

 

Die Kiesstrecke vor uns sagt uns irgendwie was anderes… Wir werden sehen.

Hier fotografiert man Menschen wie Attraktionen, weil sie so selten zu sehen sind…

 

Grandiose Landschaft vor wolkenlosem Blau

 

 

 

 

 

So legen wir den Krabbelgang ein und schaukeln uns so durch den Kies – langsam und stundenlang vorbei an der grandiosen Kulisse, die sich absolut menschenleer rechts und links von uns rund 300 Meter hoch erhebt. Man kann sich gar nicht sattsehen aber man darf bei all der Schönheit ringsherum nicht die „Straße“ aus den Augen lassen: wo genau führt sie weiter, wo sind Kanten/Abbrüche, die wir nicht befahren können, wo sind Löcher und, und, und…

 

Manchmal ist die digitale Karte der einzige Hinweis darauf, an welcher Stelle das Flußbett befahrbar ist. Was sie nicht zeigt, ist, auf welcher Ebene die Strecke sich befindet: Da, wo das Wasser nämlich Terassen angespült hat, muss man gelegentlich ein paar Meter nach unten oder oben überbrücken.
Aber nun kommen wir an eine Stelle, bei der von den bisherigen Nutzern des Weges schon eine Rampe gebaut wurde, um den Höhenunterschied zu überwinden. Natürlich ist diese auch nur für die Spurbreite von LandRovern gebaut.
So kommt es, das wir hier mit den schweren und breiten Fahrzeugen ziemlich präzise fahren müssen, um die Rampe richtig zu treffen und nicht seitlich abzurutschen. Das Ganze ist hier zwar nicht sehr tief (vielleicht nur 2 Meter) aber die reichen natürlich, um sich auf die Seite zu legen und Fahrer und Fahrzeug einiges an Schäden zuzufügen…

Nach längerem Überlegen, wie es denn nun am besten gehen kann, tastet sich der Sternwanderer langsam die Rampe hinab. Die Breite reicht gerade so aus. Leider die Stabilität der Rampe nicht – der Wagen steht noch in der oberen Hälfte der Rampe, als sich Steine aus der Rampenflanke zu lösen beginnen. Sie poltern hinanb und da, wo sie saßen, verliert die Rampe natürlich an Stabilität – der Sternwanderer senkt sich hinten rechts in Zeitlupe in Richtung „Tal“… Jetzt hilft nur noch eins:  GAS!! Die 13 Tonnen rumpeln die Rampe hinab und kommen erstaunlicherweise unten unversehrt zum stehen! Puh!

 

Ein harter Tag für die Contis

Blöd ist, das nun der Steppenwolf ja nun die selbe Rampe ´runter muss. Die tiefen Risse im Kiesbett der Rampe machen darauf aufmerksam, dass hier nicht mehr ausreichend Stabilität vorhanden ist. Für einen Landrover reicht es sicher noch und der Mercedes von Ralph und Birgit ist ein bißchen leichter als wir aber irgendwie…
Wir überlegen, die Rampe etwas zu verbreitern, indem wir ein Stück vom Berghang abgraben (der hier aus Sand und Geröll besteht – also machbar) aber Ralph entscheidet sich für eine Stabilisierung durch auf die weichen Stellen gelegte Sandbleche. Na, wenn das mal gutgeht…

Der Steppenwolf schrammt nun sehr nah am Berghang entlang, um den Rampenrand nicht so sehr zu belasten und tastet sich langsam vor

 

Und da ist er: wohlbehalten unten angekommen!
Alles in Ordnung, die Sandbleche können wieder eingepackt werden

Wir versuchen, die von unserem Gewicht ramponierte Rampe wieder etwas herzurichten, damit sie weiterhin wenigstens für Landys befahrbar bleibt…

Und? Sieht doch wieder richtig gut aus!

Die Aktion hat einige Zeit in Anspruch genommen und nun sollten wir sehen, dass wir weiterkommen

 

 

Also los – Abfahrt!

 

 

 

 

Ein besonders hübsches Steinmännchen: da hat noch jemand einen dicken Kiesel oben drauf balanciert – das der hält!?

So langsam wird es früher Abend und wir brauchen wieder einen geeigneten Platz im Flußbett. Wir suchen möglichst weit am Rand einen Schlafplatz – da, wo das Wasser normalerweise nicht hinfliesst. Auch, wenn wir nicht mit Regen rechnen müssen. Vorsicht ist besser…

 

 

 

Die Sonne malt noch schöne Muster in die Felsen

 

Die Kettensäge kommt zum Einsatz und mit
Vorsicht werden aus einem entwurzeltem Dornen-
baum kleine Stücke herausgeschnitten

 

Da der Wind ja freundlicherweise doch nachgelassen hat, können wir sogar ein Lagerfeuer machen und die Stille und Einsamkeit genießen.

 

Morgens begrüßt uns wieder ein knallblauer Himmel – sonst nichts. Ach doch: in weiter Entfernung sehen wir ein wildes Kamel gemächlich durch das Flussbett ziehen. Was das hier wohl so alleine sucht? Meist sind Kamele mindestens zu zweit… Leider war es für ein Foto zu weit von uns entfernt. Ersatzweise hier ein Foto von zwei Wüstenschiffen aus Blech. Die tragen uns weiter sicher durch den Kies.

 

Ein richtiger erkennbarer Weg!!

 

 

 

 

Immer wieder bizarre Felsformationen

 

 

Die Rampe ist jedenfalls deutlich stabiler als die von gestern…
Alles easy!

 

 

Die ham hier Pyramiden???

Mal ´rauf, mal ´runter – hier mal wieder ´rauf…

 

 

 

Kaum zu glauben: seit gestern Mittag das erste Haus!!

 

Diesmal wieder `runter…

 

Hoppla – hier muss es vor kurzem noch sehr weich gewesen sein

 

Ebenenwechsel ohne Rampe – geht doch!

 

Das Flußtal wird langsam immer breiter und die Berghänge rechts und links nicht mehr ganz so steil und hoch. Wir fahren flußaufwärts und ab hier teilt sich der Weg – zwei Hauptzuflüssen des Oued Tamanarte folgend. An diesen Zuflüssen verlaufen jeweils Schotterstraßen und wir entscheiden uns für den linken der beiden Zuflüsse. Das  breite Kiesbett verlassen wir nun und fahren auf ungewohnt glatter Schotterstrecke weiter.

Hier endet unsere Fahrt durchs Kiesbett

 

Die Schotterstrecke begleitet einen der Zuflüsse über eine lange Strecke durch die Berge. Wir folgen ihr.

 

 

 

 

 

Meine Güte – hier geht´s ja ganz schön `rauf!!

…und ´runter

 

Und wieder steil hinauf – der Sternwanderer ächzt im zweiten Gang den Berg hoch.

 

 

Ein paar Palmen – sonst ist nichts und niemand zu sehen

 

 

 

 

 

Nach einer guten Stunde Fahrt sehen wir in der Entfernung die Berge, hinter denen Tafraoute liegt: wir wollen wieder in die Nähe fahre: zu den „Blauen Steinen“, um dort bis morgen Pause zu machen und unsere Wasservorräte aufzufüllen…

 

 

 

 

 

Es war eine tolle Pistenfahrt in einer grandiosen Landschaft – wir haben die letzten Tage in der Einsamkeit dort sehr genossen.

* * *

FORTSETZUNG FOLGT

0 Comments

  1. Hallo Sternwanderer,
    ich kann kaum all diesen vielen Erlebnissen folgen und bin unheimlich beeindruckt von Eurem Abenteuer – nach der Episode mit "Barney Geroellheimer" habt Ihr sicherlich die Etikette der Normaden verstanden – unter anderem sicher ein wichtiger Teil um in der Wueste zu ueberleben! Abgesehen davon dass Ihr total auf Euch selbst angewiesen seit! Es ist fuer mich erleichternd zu wissend, dass Euer super Team sich so gut bewaehrt hat.
    Iris, Deine Aufnahmen inspirieren meine Malerei – das Bild an dem ich arbeite zeigt Hund, Strand und Himmel.
    Die Farben der Wueste sind durch Deine Bilder wunderbar festgehalten – es muss unglaublich schoen sein dass alles erleben zu duerfen.
    In Gedanken bei Euch, Liebe und alles Gute, Tina

Kommentar verfassen

Translate »
%d Bloggern gefällt das: